Training fürs (Über-)Leben: Ich, allein in der Wildnis
Wie sieht Erkenntnis aus? Für mich hat sie einen roten Bauch, Sand zwischen den Zehen und eine bittere Wahrheit: Urlaub am Strand ist langweilig. Das war vor drei Jahren. Heute mache ich Urlaub in der Wildnis, habe einen roten Rücken und Sand in der Unterhose. Mein Ziel: in zwei Jahren den Appalachian Trail bezwingen. Bis dahin ist es ein steiniger Weg – buchstäblich. Training allein wird nicht reichen. Was ich brauche, ist Erfahrung. Und zusätzliche Urlaubstage.
Bei meiner Reise durchs Ich half mir Bear Grylls – auch, wenn er sich dessen wohl nicht gänzlich bewusst ist. Bear lässt sich in den unwirtlichsten Gegenden der Erde aussetzen und zeigt, wie man dort überlebt – schön verpackt ins Vorabendprogramm. Meist hat Bear nur ein Messer und einen Feuerstein dabei. Das beeindruckte mich (und ich bin nicht leicht zu beeindrucken… wow, ein blaues Auto).
Langsam nimmt mein „Urlaub“ Gestalt an. Ich will die 3.500km des Appalachian Trail zu Fuß bewältigen – in möglichst drei Monaten. Ich will nicht „überleben“ wie in Schweden, sondern lediglich ohne die Bequemlichkeiten der modernen Welt zurechtkommen. Also: kein Room-Service, kein Buffet, kein Ich-lieg-nur-rum-und-mach-gar-nichts-Urlaub.
Die Jagd nach dem Eiweiß
Ganz so wild wie Bear, der sich durchaus in tote Kamele einrollt, will ich es nicht treiben. Zumal in Europa und Nordamerika wohl nur wenige Kamele in freier Wildbahn leben. Mein Plan ist etwas harmloser. Ich möchte autark sein. Lediglich ein Rucksack soll mich begleiten. Alles, was dort Platz findet, darf mit. Ob ein Paar Schuhe 3.500km durchhält, bezweifle ich derzeit aber noch stark.
Um es mir etwas angenehmer zu machen, plane ich im Frühsommer zu starten. So kann ich mich hoffentlich auch ein, zweimal waschen. Als Warmduscher, der sich sonst nur bei Badewannentemperatur ins Wasser traut, wird das wohl die größte Herausforderung. Außerdem laufen mehr sechsbeinige Eiweiß-Snacks herum. Gesunde Ernährung bekommt so eine völlig neue Bedeutung.
Der Bär, seine Klauen und ich
Bis es losgeht, gilt es noch Einiges vorzubereiten. Schweden zeigte mir recht schonungslos meinen körperlichen Zustand. Die meiste Zeit wird also mein Training verschlingen. Dabei soll es weniger darum gehen, die Käfer mit meinen Oberarmen zu beeindrucken. Vielmehr möchte ich auch im Unterholz genügend Ausdauer und Kraft in den Beinen haben. Der ein oder andere Sprint, um Bären zu entkommen, sollte schon drin sein. Mein Ziel ist es nämlich, lebend wieder nach Hause zu kommen.
Bevor ich mich auf den Trail wage, werde ich in heimischen Gefilden üben. Nach Schweden auf dem Wasser, sollen nun die schottischen Highlands zu Fuß folgen. Immer im Hinterkopf: die tänzelnde Kletterei Mel Gibsons in „Braveheart“. Und der Mann ist Schauspieler.
MacGyvers geheimer Trainingsplan
Der Plan steht also – mehr oder weniger. Ich werde trainieren und meine Ernährung anpassen müssen. Ich brauche passende Kleidung und Ausrüstung. Ich sollte mich unbedingt mit der Tier- und Pflanzenwelt vertraut machen. Und eine Exit-Strategie, falls alles schief geht, ist sicherlich auch nicht verkehrt. Es geht los. Ich, allein in der Wildnis. Ein beängstigender Gedanke – für die Wildnis und mich.

Salut Christian,
die Ecke in Schweden kenne ich. Schön, aber überfüllt. Bezüglich Schottland empfehle ich dir den Reiseführer “Iwanowski’s Schottland”. Er enthält auch einige abseitige Tipps. Außerdem solltest du nach der Überquerung der Highlands unbedingt ein paar Tage für die Äußeren Hebriden einplanen. Nicht zu verwechseln mit den äußeren Hämorrhoiden, aber beim Wandern wirst du eh nicht viel rumsitzen.
Hallo Nils,
das überfüllte Schweden kann ich bestätigen. Bereits bei meiner Ankunft übermannte mich die Masse an Menschen. Das kannst du aber alles in meinem Tagebuch nachlesen.