Marathon unter drei Stunden – Teil 1
Mit meinem ersten Marathon in Köln im Oktober 2008 packte mich die Neugier. Was ist läuferisch noch möglich? Inzwischen hatte ich oft von der magischen Zahl „Drei“ gelesen. Marathon in unter drei Stunden: 14,1 km/h oder 4:15 min/km. Klingt äußerst unrealistisch. Schließlich bin ich erst wenige Tage zuvor mit Krämpfen nach 4:00:49 Stunden ins Ziel gewankt. Zehn Kilometer müsste ich in 42:30 Minuten laufen – mal vier! Ich beschließe, mein Training zu optimieren und zu schauen, was die nächsten Veranstaltungen bringen.
Dreimal wöchentlich will ich laufen, mich zweimal auf das Rad schwingen und zweimal pro Woche meine Muskulatur stählen. Der nächste Marathon ist schnell gefunden: Im Dezember, zwei Monate später, reizte mich das Siebengebirge. Die zusätzliche Herausforderung zur langen Distanz sind mehr als 700 Höhenmeter. Am Rande der Schwäbischen Alb aufgewachsen, sollte dementsprechend profiliertes und gewohntes Gelände doch kein Problem sein.
Startschuss zum zweiten Marathon
Der Dezember ist sehr kalt und gemeinsam mit meinem Trainingspartner und sehr gutem Freund laufe ich mich kurz vor Beginn des Starts warm. Das Teilnehmerfeld ist relativ klein und macht einen erfahrenen Eindruck. Ich fühle mich unwohl in meiner Haut, da ich nicht einschätzen kann, was mich erwartet. Ein Lauf über Stock und Stein, hoch und runter, bei klirrender Kälte und wenig Zuschauern bin ich nicht gewohnt.
Der Startschuss fällt und ich setze mich in Bewegung. Die ersten Kilometer gehen leicht bergab, ich genieße die Landschaft und versuche mein Tempo zu finden. Doch der erste und schwierigste Anstieg folgt: fünf Kilometer nur bergauf. Keine Gnade für die Wade. Oben angekommen fühle ich mich erleichtert.
War die Landschaft zu Beginn noch grün, so ist der Boden jetzt von einer kleinen Schneeschicht bedeckt. Der Ausblick ist atemberaubend. Überwältigt von meinen Gefühlen laufe ich völlig befreit. Ich weiß schon zu diesem Zeitpunkt, dass mir der ständige Wechsel aus unglaublicher Anstrengung und kurzweiliger Erholung bei Passagen bergab besonders liegt.
Motivation auf der ganzen Strecke
Die Abstiege sind gefährlich, da die Wege teilweise gefroren und spiegelglatt sind. Nach und nach sammle ich Läufer ein, die den Bergen Tribut zollen müssen und sich ihre Kräfte nicht optimal eingeteilt haben. Nach den ersten Kilometern zwischen weiten Feldern befinde ich mich im tiefsten Wald. Die Läuferschar hat sich stark auseinander gezogen, so dass man zum Großteil alleine läuft. Ich komme damit ausgezeichnet zurecht, so kann ich meine Gedanken schweifen lassen. Die Strecke rüttelt Erinnerungen an Bücher aus Kindertagen wach – Ronja Räubertochter und Robin Hood lassen Zeit und Kilometer rasch verstreichen.
Bei Kilometer 35 kommt schließlich das, womit ich nicht mehr gerechnet habe: Ein Anstieg, dessen Ende man nicht erblicken kann. Bereits stark gezeichnet von der Belastung, mit müden Beinen und schwindender Motivation quäle ich mich den Berg hoch. Ich zwinge mich, nicht zu gehen, auch wenn mein Laufschritt inzwischen der Geschwindigkeit einer Schildkröte gleicht. Endlich oben angekommen, geht es in den Abstieg.
Das Ziel vor Augen
Zwei Kilometer vor dem Ziel passiert es – Seitenstechen vom Feinsten. Kein Schritt ist mehr möglich und ich muss anhalten. Nicht mal mehr an Gehen ist zu denken und ich geh in die Knie. Aus bei Kilometer 40? Das will ich nicht glauben. Nach einer kurzen Pause schaffe ich es, zu gehen und schließlich sogar zu laufen. Die Kilometer wollen nicht verstreichen und als ich endlich das Ziel vor Augen sehe, kann ich mein Glück nicht fassen.
Ich habe ihn besiegt. Den Marathon, den inneren Schweinehund und den Kampf gegen die tickende Uhr. Zwei Monate nach meinem Marathondebut konnte ich meine Zeit trotz der Bedingungen um 25 Minuten auf 3:35:16 Stunden verbessern. Sind die drei Stunden doch noch ein realistisches Ziel für mich? Der Wille ist da. Der nächste Marathon kann kommen.













Marathon Man !